Die Taunus-Ermittler (Band 1) – Steinige Wege (Juli 2010)

Die Taunus-Ermittler (Band 1) - Steinige Wege (Juli 2010)
Die Taunus-Ermittler (Band 1) - Steinige Wege (Juli 2010)

Romanbeschreibung

Peter Stettner, ein ehemaliger Polizist und Frührentner, trifft auf Stefan Weimershaus, den Freund seiner Nichte Verena. Die beiden verstehen sich auf Anhieb prima. Dann wird Stefan zu Unrecht eines Verbrechens verdächtigt. Was mit Peters Hilfe bei der Ermittlung des wahren Schuldigen beginnt, endet in der Detektivagentur ST-W:
Die Taunus-Ermittler sind geboren.

Zugleich kommt nach zwanzig Jahren Peters Vergangenheit ans Licht: Wie ihn ein ungenehmigter Alleingang im Ausland vorzeitig in den Ruhestand brachte und warum er noch immer nach seiner Frau sucht, die, seit sie ihn vor sechs Jahren verließ, spurlos verschwunden ist.

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Leseprobe

Stäler, der hier in Zeilsheim wohnte, hatte es nicht weit. Er brauchte nur auf der Pfaffenwiese etwa einhundert Hausnummern in Richtung Ortskern zu gehen und rechts einzubiegen, und er war zu Hause. Normalerweise war er in einer Viertelstunde da.
Aber an diesem Abend, die Dämmerung brach gerade herein, war alles irgendwie anders. Während er sonst den Weg durch die frische Abendluft genoss, schlich er diesmal lustlos heim zu seiner Familie. Unterwegs murmelte er immerfort vor sich hin, und hätte ihm jemand zugehört, er hätte sofort bemerkt, dass Stäler stinksauer war. Denn wenn er die Äußerungen seines Chefs richtig deutete, war seine Position in der Firma auf alle Zeiten zementiert. An Aufstieg war wohl nicht mehr zu denken. Er dachte an seine Hausbaupläne, die er noch gestern mit seiner Frau besprochen hatte. Die Wohnung in dem Mehrfamilienhaus würde für sie und die zwei Kinder bald zu klein sein.
„Hätte ich den teuren Sportwagen nur nicht gekauft“, murmelte er vor sich hin. Gerade in diesem Moment stellten sich ihm an einer schlecht ausgeleuchteten Straßenecke zwei bösartig aussehende Gestalten in den Weg.
Das Auftreten der beiden Männer war martialisch. Einer von ihnen spielte mit seinem Springmesser, während der andere ihn mit stechendem Blick anstarrte und ihn breit angrinste, mit einem Pferdegebiss, in dem zwei Schneidezähne fehlten.
„Dein Chef hat etwas, das uns gehört“, sagte der mit dem Messer. „Das wollen wir wiederhaben.“
„So, was denn?“, fragte Stäler ängstlich.
„Einen Container voll Palisander-Furnier. Der war absolut nicht für ihn bestimmt. Er gehört unserem Chef. Er hat viel dafür bezahlt, dass er ihn bekommt, und dann gibt dieser blöde Auktionator …“
Der zweite, vermutlich etwas klügere der beiden Ganoven stieß seinem Kollegen ziemlich unsanft in die Seite und raunte ihm zu: „Halt’s Maul, du Idiot.“
Diese kleine Irritation nutzend, warf Stäler ein: „Aber der Container ist doch noch gar nicht da.“
„Das wissen wir auch“, sagte nun der Gauner mit dem Messer, „aber wenn er da ist, dann sorgst du dafür, dass wir ihn bekommen …“
„… und das geht so“, mischte sich nun wieder der weniger Beschränkte ein, „du sorgst ganz einfach dafür, dass nachts das Alarmsystem aus und das Hoftor offen ist. Wir kommen mit einem LKW und schwupp, ist der Container fort.“
„Das kann ich doch nicht machen.“
„Und wie du das kannst“, erklärte ihm nun wieder der mit dem Messer und ließ, um seine Erklärung überzeugender wirken zu lassen, das Messer zwei, drei Mal auf und zu schnappen.
„Aber …“, wagte Stäler noch einen schwachen Versuch des Widerspruchs, aber der mit dem Pferdegebiss würgte jede Gegenwehr ab, indem er sagte: „Denk immer daran, wir sind gut informiert. Wir wissen zum Beispiel, dass du eine blutjunge Frau hast, die erst vor wenigen Wochen zwei süße Buben geboren hat. Du willst doch sicher, dass sie sich auch in Zukunft ihrer Gesundheit erfreuen, oder? Falls nicht, dann wehr dich oder lehne ab. Außerdem hast du, wie wir aus sicherer Quelle wissen, selbst ein Hühnchen mit deinem Chef zu rupfen.“
„Woher …?“
„Wir wissen alles.“
„Das glaub ich auch bald. Aber ich kann doch nicht selbst …“
„Wie ich schon sagte, wir wissen alles. Wir wissen auch, dass du in den nächsten Tagen Konkurrenz um den Aufstieg in der Firma bekommst.“
„Woher …“, stammelte Johannes Stäler, und der Messermann fuhr ihn an: „Geht dich nichts an, hör lieber zu.“
„Schau mich an“, sagte der andere. „Wie du es machst, ist uns egal, aber schieb deinem Konkurrenten doch einfach die Sache in die Schuhe. Dann hast du gleich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Du hast dich an deinem Chef gerächt, du hast dir den unbequemen Kollegen vom Hals geschafft, und wenn alles glatt gegangen ist, liegen ein paar Tage später auch noch fünftausend Euro in deinem Briefkasten.“
„Das klingt alles sehr überzeugend, aber …“
„Was heißt da aber? Es gibt kein Aber.“
„Aber was ist, wenn etwas schiefgeht?“
„Es darf nicht schiefgehen. Morgen Abend um zweiundzwanzig Uhr dreißig rufe ich dich an, und du sagst nur ja oder nein. Wenn du dich allerdings für das Wörtchen ‚Nein‘ entscheidest, würde ich an deiner Stelle auf den Mond oder besser noch weiter weg ziehen. Dann gnade deiner Familie Gott, wir werden es bestimmt nicht tun.“
„Und wenn ich mich entschließe mitzumachen?“
„Dann machen wir es so: Wir beobachten die Firma. Wenn der Container gekommen ist, nehmen wir Kontakt mit dir auf, und du sagst, an welchem Tag und zu welcher Stunde wir die Ware abholen können. Du arrangierst, dass wir rein und wieder raus können, alles andere ist unsere Sache.“
Stäler wollte noch etwas fragen, aber die beiden zwielichtigen Gestalten drehten sich auf dem Absatz um und eilten davon. Kurz darauf waren sie um die nächste Straßenecke verschwunden. Mit einem Mal wurde es ihm schwindelig, und er musste sich für einen Moment auf eine Gartenmauer setzen.
Er stützte seinen Kopf in beide Hände. In was für ein Schlammassel war er da nur hineingeraten? Woher kamen diese Typen? Der mit dem Pferdegebiss kam ihm vage bekannt vor. Hatte er vorhin im Gasthaus gesessen? Waren sie ihm von dort aus gefolgt?
Unterdessen war es vollkommen dunkel geworden, und während er auf dem Mäuerchen saß, begann es in seinem Kopf zu arbeiten. Deshalb also hatte sein Chef die Furniere so preiswert bekommen. Ein anderer hatte den Auktionator bestochen, den Zuschlag äußerst günstig an einen Strohmann zu geben, der den ganzen Container ersteigern sollte. Da Weber vermutlich der einzige weitere Bieter war, der um den ganzen Container mitsteigerte, war der Auktionator wahrscheinlich einem Irrtum erlegen.
Plötzlich begann Stäler Gefallen an der Vorstellung zu finden, Weber diese Demütigung heimzuzahlen und diesen Mann, der ihm den wohlverdienten Aufstieg streitig machte, loszuwerden. Dass er dabei dann auch noch etwas verdienen konnte, rundete das Ganze geradezu perfekt ab.
Stäler erhob sich langsam und ging mit immer schnelleren Schritten nach Hause. Unterwegs hob sich seine Stimmung mehr und mehr, und als er in seine Straße einbog, pfiff er sogar leise vor sich hin.