Die Taunus-Ermittler (Band 9) – Rhodos, Mord Inklusive (Juni 2018)

Romanbeschreibung

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Leseprobe

Nach einer kurzen Verschnaufpause drängte Stefan, weiter nach oben zu gehen. Es ist schon nach zehn, und ganz oben gibt es kaum Schatten, erklärte er den anderen.
Wenn die größte Mittagshitze beginnt, sollten wir schon wieder auf dem Weg nach unten sein. Hier beim Kiosk im Schatten können wir uns dann längere Zeit ausruhen.
Diesem Argument ließ sich nichts entgegnen und so gingen sie, nachdem sie an einem großen Eisentor ihre Eintrittskarten gekauft hatten, noch ein kurzes Stück bergauf, bevor sie auf einen großen freien Platz kamen. Leider waren hier nicht nur schattige Bäume, sondern auch Sitzgelegenheiten Mangelware. Deshalb genossen sie alle erst einmal den großartigen Ausblick hinunter auf Strand und Bucht, bis Peter sagte: „Stefan, wie geht es denn weiter?“
„Dort hinten ist eine Treppe, da müssen wir rauf.“
Augenblicklich fuhren alle Köpfe herum, und Verena sagte trocken: „Verdammt, so steil hatte ich die gar nicht in Erinnerung. Für die Zwillinge und mich ist hier Endstation. Aber das ist nicht so schlimm, ich bin ohnehin völlig geschafft, und die Mädchen werden sich für die Altertümer wohl kaum interessieren.“
„Welche alten Trümmer?“ fragte Sven grinsend, und Stefan sagte: „Na, die da oben“, und zeigte die Treppe hinauf.
„Ich bleibe auch hier und leiste Verena Gesellschaft“, erklärte Annika, und Peter fragte: „Sven, willst du auch hierbleiben?“
„Nein, jetzt bin ich schon bis hierher gelatscht, da werde ich doch vor dem Gipfel nicht schlappmachen. Und außerdem muss ich filmen.“
Der Junge hat Mumm, dachte Peter anerkennend, während er und Stefan ihm folgten. Sven war schon zu der langen, steilen Steintreppe hingelaufen, die mindestens siebzig Stufen hatte.
Oben angekommen, durschritten die drei ein riesiges Torhaus und sahen als Erstes ein Feld mit hunderten alten Säulenresten. „Verena hat recht gehabt“, sagte Sven. „Es sind wirklich alles alte Trümmer.“
„Warte, es wird noch besser“, sagte Stefan und betrat den ausgetretenen, steinigen Pfad, der zu den antiken Säulen führte.

Auch Alex und Ilona Stürmer waren auf dem höchsten Plateau der Akropolis von Lindos unterwegs und bemerkten Stefan, Peter und Sven genauso wenig wie die sie. Während Stefan für Peter und Sven den Reiseführer mimte und die drei eine ganze Menge Spaß dabei hatten, war Ilona damit beschäftigt, ihren Mann bei Laune zu halten, um ihn erst dann wieder den Berg hinunter zu lotsen, wenn sie es für passend hielt. Und zwar genau in der größten Mittagshitze, wenn ihnen kaum jemand auf dem Weg begegnen würde.
„Lass uns auf dem Mäuerchen hier noch ein bisschen ausruhen, das ist wirklich eine Affenhitze heute.“
„Das hast du aber vorher schon gewusst, dass es auch im Oktober auf Rhodos durchaus nochmal dreißig Grad werden können. Ich wundere mich schon die ganze Zeit darüber, warum du ausgerechnet hierher wolltest, wo du doch sonst so hitzeempfindlich bist.“
„Weil ich dahin wollte, wohin wir unsere Hochzeitsreise gemacht haben.“
Alex, der eben noch etwas ungehalten über ihr ständiges Genörgel gewesen war, war plötzlich gerührt, nahm seine Frau in den Arm und sagte: „Wenn es bei dir wieder geht, machen wir uns an den Abstieg. Sowie wir zurück sind, kannst du dich im Pool erfrischen.“
„Genau das werde ich tun und einen Cocktail auf dich trinken.“
„Auf mich?“ fragte Alex verwundert, und Ilona bemerkte erschrocken, dass sie sich beinahe verplappert hatte.
„Ja, weil ich erst jetzt wieder gemerkt habe, was du mir bedeutest.“
Während Alex Stürmer seine Frau überglücklich an sich presste, weil er nun allmählich glaubte, alles habe sich zum Guten gewendet, passierten Peter, Stefan und Sven nach ihrem Rundgang die beiden, ohne von ihnen bemerkt zu werden.
Kurz darauf fragte Alex: „Wollen wir?“
„Klar doch“, sagte nach einem Blick auf ihre Armbanduhr nun auch Ilona und stand auf.
Erst jetzt merkte sie, wie weh ihr die Füße taten. Nun rächte es sich, dass sie am Morgen schon aus Prinzip gegen den rat ihres Mannes gehandelt hatte, der ihr bequeme Wanderschuhe empfohlen hatte. Stattdessen hatte sie mit dem Hinweis, dass ihre Füße Luft brauchten, ihre Riemchensandalen mit den hohen Absätzen angezogen. Aber lieber würde sie keine Miene verziehen, wenn sie unter Schmerzen nach unten stakste, als ihm das einzugestehen.

Unterdessen drückte sich der Zwei-Meter-Hüne noch immer auf dem Weg zur Akropolis herum und lief immer wieder die einzige Stelle ab, die für ihr Vorhaben geeignet war. Sie lag unweit des Kiosks, war nicht nur besonders schmal, sondern vom Ort her auch schlecht einsehbar, da sie hinter einer Biegung lag.
Was er nicht ahnte, war, wie richtig er mit dem stets schnell beiseitegeschobenen negativen Gedanken über Ilona lag. Die hätte sich für den Fall, dass er erwischt wurde, bestens abgesichert. Doch er ahnte nicht, dass sie eine Spur breit wie eine Autobahn ausgelegt hatte, die im Zweifelsfall
genau zu ihm führte. Dass sie schon weit im Vorfeld über einen Strohmann, der Alex zum Verwechseln ähnlich sah einen Kredit bei genau dem Wiesbadener Finanzhai aufgenommen hatte, bei dem ihr Freund als Geldeintreiber tätig war. Die Rückzahlung, die kurz vor ihrem Abflug in den Urlaub fällig gewesen war, hatte sie aber einfach vergessen. Da Ilona immer peinlich genau darauf geachtet hatte, dass sie niemand zusammen sah, konnte ein versuch, das Geld zurückzuholen, schiefgegangen sein.
Nur momentweise durchzuckte ihn der Verdacht, dass Ilona nicht die verzweifelte Frau war, die einfach der Knechtschaft unter ihrem herrschsüchtigen Mann entfliehen wollte. Aber er gefiel sich zu gut in der Rolle ihres Erretters – und die Aussicht auf ihr Vermögen tat ihr Übriges -, um diesen Gedanken weiterzuverfolgen. So harrte er geduldig auf seinem Posten aus und wartete, bis die beiden herunterkamen.

Nur wenige Meter weiter oben hatte die Reisegesellschaft aus dem Taunus den kleinen Kiosk gestürmt und sich mit eiskalten Getränken auf den Bänken daneben niedergelassen. Gerade als sie sich setzten, sahen sie Alex und Ilona stürmer talwärts laufen.
„Schaut mal her“, sagte Verena. „Das sind doch die Leute, die am Hotelpool ständig bei uns in der Nähe liegen. Die Frau quatscht jeden an, egal ob er das will oder nicht.“
„Tatsächlich“, bestätigte Peter. „Wenn ich gewusst hätte, dass die auch hier sind, wäre ich woanders hingefahren. Aber dass die Streithähne überhaupt gemeinsam einen Ausflug machen, wundert mich schon.“
„Das stimmt“, bestätigte Stefan und trank seinen letzten Schluck Cola aus.
Genau in diesem Moment war ein markerschütternder Schrei zu hören…